Entwicklung

Ein Text über die Arbeit der KünstlerinAkosua Viktoria Adu-sanyah(07/2020)

www.akosuaviktoria.com

Ich sehe Wälder, Wege, Bäume, Straßen, Wild am Straßenrand liegend, erfahre von Langzeitbelichtung auf nächtlichen Feldern Südfrankreichs, halbstündigem Stehen in einer Ecke eines Raumes, dazu Musik hören, fallende Selbstporträts, Konfrontation mit einem Scanner bis die Muskeln, von der dafür eingenommenen Haltung, krampfen und vieles mehr. Und ich habe auch Farben gesehen. Farben, die ich zuvor nicht kannte.
Diese Bilder können mich nur erreichen, weil Akosua sie gemacht hat. Sie war physisch und geistig an einem Ort. Sie war da und hat sich konfrontiert. Mit Dunkelheit, Licht, Abgeschiedenheit, zwischenmenschlichen Beziehungen, mit dem Tod und sich selbst. Sie hat es getan, tut es weiter und teilt einige Fragmente dieser Situationen durch Fotografien und Texte mit uns.
Durch diese Fotografien und Textfragmente provoziert Akosua den Willen in mir mich gedanklich in diese Situationen und Orte hineinzuversetzen. Dabei mache ich innere Beobachtungen und Erfahrungen. Jedoch werden wir nie am gleichen Ort gewesen sein. – Unsere Erfahrungen unterscheiden sich.
Um mich Akosuas Arbeit anzunähern bedenke ich die sensiblen Prozesse analoger Fotografie, die Zeit im Verhältnis zu Licht und chemischen Prozessen in Dunkelheit. Da ich Akosua kenne weiß ich, dass es für sie eine Lebenseinstellung ist sich immer weiterzuentwickeln, untrennbar von ihrer künstlerischen Arbeit. Auch lese ich die Prozesse der Entwicklung als Bild, dass uns helfen kann unsere Umwelt besser zu verstehen.

Verändern sich die Einzelkomponenten der Situation, so verändert sich auch die Entwicklung und der Blick auf die Momente, in welchen wir uns befinden, die Momente welche bereits vergangen sind und die Möglichkeiten der Zukunft. Je nach Entwicklung erscheinen Farben anders. Einige Zusammenhänge werden nur durch bestimmte Zeitaspekte, oder einen Ort, oder eine Reaktion, oder eine Veränderung, oder die verschiedenen Kombinationen von Bildern sichtbar.
Nach den Handlungen, nach den Aufenthalten an Orten, den Konfrontationen ist vor allem die Fotografie das was bleibt. Sie ist sowohl ein Rest von etwas Vergangenem als auch etwas Neues zugleich. Über diese Fotografien werden Erzählungen weitergetragen, es können sich neue Erzählungen entwickeln, oder vergangene Erzählungen ändern ihren Wahrheitsgehalt.
Ich sehe in Akosuas Arbeiten die Chance sich Situationen, Orten und Menschen anzunähern. Wie verändern sich Narrationen durch das Weglassen und Hinzufügen von Bildern, Ausschnitten, Erfahrungen? Wie Konfrontieren wir uns mit unserer eigenen Narration? Werden wir Bedingungen schaffen, in welchen Helligkeit, Licht, Dunkel und Handlungen zusammenkommen? Und wie werden wir uns weiterentwickeln? Wer sind wir?